Halis Börek über den Wandel

Was hat sich über die Jahre verändert?

Audio-Beitrag: Halis Börek über den Wandel

Heute, Anfang 2021, denkt man wohl beim Lesen dieser Frage zuerst an die Veränderungen durch die Pandemie, die im Alltag für alle wahrnehmbar sind. Die Gastronomie ist geschlossen, nur Essen zur Mitnahme wird verkauft, Mund-Nasen-Schutzmasken sind verpflichtend zu tragen – auch beim Einkaufen am Brunnenmarkt. Natürlich hat die Corona-Pandemie das Leben und Arbeiten am Brunnenmarkt spürbar verändert. Vor dem Laden „Halis Börek“ stehen auch jetzt immer ein paar Leute an, um einzeln in das Geschäft eintreten zu können und Börek zu kaufen. Doch Aykut, der „Halis Börek“ gemeinsam mit seinem Onkel führt, berichtet: „Bei uns ist schon was los, aber bei den anderen leider nicht.“ So kann man bei einem Spaziergang durch den Markt beobachten, dass einige Imbissstände und auch Geschäfte am Rand des Marktes geschlossen haben und die wenigen Kund*innen mit Maske und Abstand ihre Einkäufe erledigen. Doch auch schon vor Corona beobachtete Aykut Veränderungen am Markt. Er erzählt, dass viele Inhaber*innen ihre Geschäfte aufgeben und weiterverkaufen mussten.   

„Es ist irgendwie schwer zuzusehen, da verkauft einer nach dem anderen den Laden. Ja schade irgendwie, dass nicht mehr so viel los ist.“ 

Als Grund für den Verkauf der Geschäfte nennt Aykut den ausbleibenden Umsatz seit der Weltwirtschaftskrise:   

„Weil früher mehr los war, ja früher war viel mehr los wegen der Weltwirtschaftskrise. Ab 2008 oder 2009 gings bergab, da wars jedes Jahr noch weniger Leute, weniger Umsatz. Das hat jeder so gespürt und da haben auch viele Leute so ihren Laden verkauft in den letzten zehn Jahren, sehr viele. Abgesehen natürlich von unserm Laden. Der steht noch da.“ 

Aber auch bei ihnen hat sich die Situation verändert, berichtet er. Während sie früher rund 10 Angestellte hatten, sind es heutzutage nur noch zwei. Auch die Arbeitszeit hat sich für ihn reduziert von 12 Stunden am Tag auf bis zu 7 Stunden, da früher mehr zu tun war.   

Das Warenangebot auf dem Brunnenmarkt hat sich in den letzten Jahren ebenfalls verändert. So erzählt das Ehepaar, das gemeinsam einen Blumenladen am Brunnenmarkt führt, im Interview mit ihnen, dass die Vielfalt besonders an Obst und Gemüse zurückgegangen ist, während mehr Fertigprodukte angeboten werden und vermehrt Imbissstände am Markt eröffnen. Als Ursache dafür nennt das Ehepaar:   

„Weil der Konsument es nicht verlangt. Der braucht kan Spinat, weil er nicht kochen tut. Der braucht keine Champignons, weil ers ned daham panieren tut. Der kauft zum Beispiel keine Steinpilze ned, weil ers ned weiß was des is. Somit braucht er des ned und so wird die Vielfalt an und für sich immer weniger.“ 

Im Miteinander der Marktstandbetreiber*innen ist für manche auch ein Wandel zu spüren. So beschreibt das Ehepaar, dass die Marktstandbetreiber*innen früher eine Gemeinschaft waren, die auch mal zusammen gefeiert haben. Das habe sich geändert, als einige von ihnen in Pension gegangen sind und die Geschäfte weiterverkauft wurden.  

„Gemeinschaft sowas gibt es nicht mehr. Die sind alle für sich alleine […], weils vü zu vü verschiedene Nationen san, die was betreiben und somit macht a jeder sein eigenes Leben.“ 

Das erlebt Aykut etwas anders. Er erzählt zwar von Streitereien unter den Unternehmer*innen, aber betont auch, dass es einige nette Marktstandbetreiber*innen gibt.  

„Ja aber Unternehmer sind ziemlich nice Leute hier am Brunnenmarkt, sehr liebe Leute. Da hab ich auch viele Freunde die Unternehmer sind.“ 

Text: Julia Greithanner 

Quellen: 

Interview mit Aykut E., der das Geschäft “Halis Börek” führt, Dezember 2020, Julia Greithanner  

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