Der Weg der Waren am Brunnenmarkt

Audiobeitrag der Weg der Waren von Paula Schüler

Der Brunnenmarkt gilt als der günstigste und umsatzstärkste Markt der Stadt Wien. Das Obst und Gemüse, überwiegend vom Großmarkt stammend, wird häufig günstiger als in den lokalen Supermärkten angeboten. Die Angestellten der Marktstände berichten, dass sie die Preise selber nicht bestimmen, sondern täglich vom Chef bekommen. Entscheidend dafür sind die Preise auf dem Großmarkt. Auch dort gibt es unterschiedliche Händler*innen, von denen manche ihre Waren günstiger anbieten als andere. Einige Standbetreiber*innen fahren täglich zum Großmarkt, meist in den frühen Morgenstunden, andere hingegen, nur einmal die Woche. Daher variiert auch das Warenangebot an den einzelnen Ständen. Dennoch unterscheiden sich die Preise nur um Centbeträge. Der Verdienst am Gemüse ist nicht besonders hoch, so erläuterte ein Verkäufer, dass er an einer Palette Tomaten ca. 2 Euro verdiene. Beim Knoblauch sei es noch weniger, da dieser im Einkauf bereits teuer wäre.

Durch die Coronapandemie sind die Umsätze eingebrochen, erzählt einer der Marktverkäufer, der Obst und Gemüse am oberen Ende der Brunnengasse anbietet. Unter der Woche lag der tägliche Umsatz an seinem Stand in der letzten Zeit meist unter 100 Euro. Hinzu käme die räumliche Struktur des Brunnenmarktes, wie er erklärt. Die Stände an der belebten Thaliastraße würden mehr Kundschaft haben, als er oben kurz vor dem Yppenplatz.

Dass der Brunnenmarkt einmalig ist, stellt auch der Standverkäufer heraus. Er habe bereits auf unterschiedlichen Märkten gearbeitet zum Beispiel am Kutschkermarkt im 18. Bezirk. Anders als dort würden die Menschen hier am Brunnenmarkt günstig einkaufen wollen. Das tun sie meist am Samstag, was auch die dann deutlich höheren Umsätze des Verkäufers belegen. Am Samstag herrscht ein reges Treiben auf dem Brunnenmarkt. Und in der Coronapandemie fällt die Unmöglichkeit auf, die vorgeschriebenen Abstände zu den anderen Kund*innen einzuhalten. Viele Menschen sind mit einem Einkaufstrolley unterwegs oder tragen mehrere weiße Plastiksackerl mit sich. Vor den Fisch- und Fleischständen, die unter der Woche weniger frequentiert sind, bilden sich Schlangen. Besonders stark reduziert sind die Preise samstags auf dem Yppenplatz. Dort werden einfache, schnell auf- und abbaubare Stände errichtet, an denen die Händler*innen des Großmarktes ihre Restware abverkaufen. Ein Marktstandverkäufer sieht das kritisch und bezeichnet den samstäglichen Verkauf auf dem Yppenplatz als „Dumping“ der Preise. Mit diesen Angeboten könne er nicht mithalten.

Der Abverkauf auf dem Yppenplatz wird besonders gut besucht. Wie auf dem Brunnenmarkt werden hier die Waren lautstark angepriesen. In den Abendstunden kurz vor Marktschluss kosten 5 Kilo Kartoffeln beispielsweise nur noch 2 Euro. Der Bedarf an günstigem Gemüse scheint groß zu sein, da um diese Zeit noch mehr Kund*innen auf dem Markt am Yppenplatz sind als tagsüber, wohingegen sich der Brunnenmarkt gegen Abend langsam leert.

Quelle

Protokoll Teilnehmende Beobachtung am Brunnenmarkt, Dezember 2020, Paula Schüler

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